Kategorie-Archiv: Gedanken

spontan und unvermeidbar

Worte…

manchmal regnen sie auf mich herab und ich spüre nur, wie sie mich aufweichen, ohne eine Botschaft zu erkennen.
Täglich tickt die Uhr dem Schulschluss entgegen, der Countdown läuft bis die Türklingel den Ring frei gibt. Im Einklang mit dem Poltern der herannahenden Schritte purzeln aus vier kleinen Mündern die Worte und klappern in meinen Ohren. Ich höre von Kindern, die ich kaum kenne, was die gegessen, gesagt und welche Zensuren sie bekommen haben. Aus Angst, im Wortschwall zu ertrinken, rufe ich nach Informationen, die mich retten können, irgendetwas, das jemanden betrifft, mit dem ich die Wohnung teile. Es herrscht für einen Moment Stille. Ich habe das Mitteilungsbedürfnis gestoppt. „Wie war`s in der Schule?“ frage ich versöhnlich. Gut, ist die einsilbige Antwort. Ich habe es wieder nicht geschafft den unwichtigen Teil an Worten zu überleben, um den wichtigen Teil in Erfahrung zu bringen. Dem Großen ist es egal, er legt nicht soviel Wert auf Worte, er liebt Geräusche. Er schlittert mit Anlauf auf Socken in die Küche, reißt die Arme hoch, als hätte er ein Tor geschossen und stößt einen Flüstersiegesschrei aus. Dann verkündet er ohne nachvollziehbaren Zusammenhang, dass Minecraft das coolste Spiel aller Zeiten sei. Ich hatte meine Chance verpasst. Das Zeitfenster für -wie war dein Tag- hatte sich geschlossen. Ich gebe mich geschlagen und gehe zur Tagesordnung über, fordere alle auf, ihr Schultasche zu packen, erinnere an die Hausschuhe, Hände waschen, Frühstücksdose auspacken, und mutiere zu einer Sprachbox, die alle Informationen in immer gleichem Klang in beliebiger Häufigkeit wiederholt, bis alle Aufgaben von allen Kindern erfüllt wurden. Dabei spüre ich ein tiefes Bedauern, dass Worte so schnell verklingen und so wenig haften bleiben. Von Tim* prallen sie sogar ungehört ab. Er bewegt sich auf einem imaginären Fußballplatz mit einem unsichtbaren Ball vor einem tosenden Publikum, dass nur uns verborgen bleibt und ist der Held. Aber ich habe keinen Spaß daran, fühle mich ignoriert und mag nicht, wenn alle meine Worte sinnlos scheinen. Paul* hat immer noch seine Mütze auf, aber bereits die Hausschuhe an, Jim* wäscht sich im Anorak die Hände und weicht dabei die Ärmel ein und Frieda* erzählt mir unbeirrt, was die Küchenfrau zu ihrer Freundin gesagt hat, als sie nach mehr Apfelmus verlangt hat, obwohl…Ich verstehe nicht, was sie mir erzählt und außerdem hat sie immer noch ihre Straßenschuhe an.
Manchmal interessieren mich die Worte von Herzen, aber mein Kopf hat wegen Überfüllung geschlossen. Es ist ein Drama, wenn in so einem Augenblick, eines meiner erwachsenen Kinder gerade Zeit und Lust hat, mit mir zu reden.